Arbeitswelt - 18.03.2026

Erfahrung trifft Zukunft

Acht Fragen an Murielle Antille und Beat Hunziker zur Initiative «Erfahrung trifft Zukunft» - ein gemeinsames Pilotprojekt von Helsana und Right Management.

Helsana hat in Zusammenarbeit mit Right Management ein Pilotprojekt unter dem Titel «Erfahrung trifft Zukunft» durchgeführt. Im Zentrum steht die berufliche Standortbestimmung in der späten Berufsphase. Beat Hunziker, Leiter Human Resources bei Helsana, ist Projektverantwortlicher. Unterstützt wird er von Murielle Antille, Managing Director Right Management, ManpowerGroup. Das Gespräch führt Claudia Bally, Geschäftsführerin von focus50plus. Wir wollten mehr über das Vorhaben erfahren.

  1. Beat: Ihr seid Initiatoren von «Erfahrung trifft Zukunft». Was waren die Beweggründe, und wann habt ihr mit dem Pilotprojekt begonnen?

    Mein Engagement im Wirtschaftsbeirat von focus50plus hat mir wertvolle Inputs geliefert und mich inspiriert, dieses Angebot zu konzipieren und dann 2025 zu starten.

    Über 25% der Helsana-Mitarbeitenden sind in der Alterskategorie 50+. Diese Generation bringt Wissen, Stabilität und wertvolle Perspektiven in der Arbeitswelt ein. Wir möchten, dass alle Mitarbeitenden bis zur Pensionierung gut integriert sind, ihre Stärken bewusst einsetzen und die letzten Berufsjahre aktiv und erfüllend gestalten können. Aus diesem Grund bieten wir mit «Erfahrung triff Zukunft» eine speziell auf diese Zielgruppe ausgerichtete berufliche Standortbestimmung mit gezieltem Coaching an. Die daraus abgeleiteten Zielsetzungen und Massnahmen werden anschliessend mit der führungsverantwortlichen Person besprochen.

  2. Beat: Welche Herausforderungen sind euch bei der Konzeption und bei der erstmaligen Durchführung im letzten Jahr begegnet?

    Für uns war es eine Gratwanderung, wie wir über das Programm informieren: Wir wollten das Angebot möglichst breit bekannt machen, es aber auch niemanden «aufdrängen». Wir haben deshalb strikt darauf geachtet, dass die Initiative für eine Teilnahme immer von der betroffenen Person selbst ausging.

    Zudem war uns klar, wie entscheidend die Unterstützung der führungsverantwortlichen Person bei der Umsetzung der definierten Massnahmen ist. Wir informierten die Führungspersonen deshalb bereits bei Programmbeginn detailliert und schärften im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung gezielt die Rollen.

  3. Murielle: Welche Voraussetzungen sind bei der beruflichen Standortbestimmung zu beachten, und wie wird sie durchgeführt?


    Die Grundlage einer erfolgreichen beruflichen Standortbestimmung 50+ ist eine fundierte Analyse der eigenen Zufriedenheit – im Beruf und im Leben insgesamt. Denn gerade in dieser Karrierephase geht es nicht nur um den Job, sondern um die bewusste Gestaltung der kommenden Jahre.

    Dieser Entwicklungsprozess erfordert die Bereitschaft, sich ehrlich mit der eigenen Berufs- und Lebenssituation auseinanderzusetzen. Es lohnt sich, denn die Teilnehmenden erhalten Klarheit, neue Perspektiven und eine überzeugende Grundlage für die nächsten beruflichen Schritte zu gewinnen.

    Herzstück des Prozesses ist eine strukturierte, praxisnahe Selbstreflexion. Mithilfe gezielter Übungen beleuchten die Teilnehmenden ihre bisherige Laufbahn und persönliche Situation ganzheitlich. Dieser Prozess wird von unseren erfahrenen Coaches begleitet. Sie unterstützen dabei, aus den gewonnenen Erkenntnissen klare und zukunftsorientierte Entscheidungen abzuleiten – für eine erfüllte und selbstbestimmte späte Karrierephase.

  4. Murielle: Wie war die Resonanz der Teilnehmenden, und welche wesentlichen Unterschiede habt ihr festgestellt?


    Uns freut es sehr, dass die Teilnehmenden das Angebot ausnahmslos positiv aufgenommen haben.

    Unsere Silver Workforce Studie zeigt klar: Gesundheit und Arbeitsmarktfähigkeit sind zentrale Themen für die Zielgruppe. Genau diese Vielfalt spiegelte sich auch im Pilot wider. Für die einen stand „gesund und fit bleiben“ im Fokus, für andere „Sinn und Bedeutung finden“ – und nicht zuletzt beschäftigte viele auch das Thema „Altersdiskriminierung“.

    Die abwechslungsreichen Selbstreflexionsübungen wurden als inspirierend und klärend erlebt. Besonders geschätzt wurde jedoch der vertrauliche Austausch mit einem externen Coach. Die individuelle Standortbestimmung – professionell begleitet, neutral moderiert und auf Augenhöhe reflektiert – erwies sich als entscheidender Mehrwert. Sie schafft Raum für ehrliche Erkenntnisse und ermöglicht es, konkrete Ziele für die weitere Karriere- und Lebensplanung zu definieren.

    Es wurde aus diesem Pilot – sowie aus anderen Projekten, die wir begleiten - klar: Jenseits der individuellen Perspektive gewinnt auch die kollektive Standortbestimmung an Bedeutung. Intergenerationenmanagement ist das bewusste Zusammenspiel der Generationen, das darüber entscheidet, wie Wissen gesichert, Potenziale genutzt und Zusammenarbeit nachhaltig gestaltet wird.

  5. Beat: Welche Hemmschwellen gab es bei den Teilnehmenden?

    Viele Teilnehmende hatten das Bedürfnis, im Rahmen der Coachings auch über private und sehr persönliche Themen zu sprechen. Vertraulichkeit und Unbefangenheit waren deshalb für die Teilnehmenden zentral. Wir haben uns somit bewusst für externe Coaches von Right Management entschieden. So haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Auslegeordnung hinsichtlich der aktuellen Lebensphase und der Jobzufriedenheit in der gesamten Breite vorzunehmen. Und sie können alles mit einer neutralen Person besprechen.

  6. Murielle: Kannst du uns eine Erfolgsgeschichte schildern?


    Unabhängig von ihrer Ausgangszufriedenheit konnten sich sämtliche Teilnehmenden weiterentwickeln. Besonders bemerkenswert: Die Fortschritte entstanden oft aus kleinen, aber wirkungsvollen Aha-Momenten im Coaching. Plötzlich wurden ungelebte Potenziale sichtbar, verdrängte Wünsche greifbar und neue Perspektiven denkbar.

    Einige nutzten diese Klarheit, um ihrer beruflichen Entwicklung gezielt neuen Schub zu verleihen. Andere erkannten Spielräume für private Projekte und schufen sich damit positive Perspektiven für die Zeit nach der Pensionierung. Wieder andere gewannen die Sicherheit, sich von Stereotypen und vermeintlicher Diskriminierung im Team zu lösen – und ihre Ziele sichtbarer und selbstbewusster zu vertreten.

    Und nicht zuletzt: Schon allein die gewonnene Anerkennung, die sie durch das Programm erhalten haben, wurde von vielen als persönlicher Erfolg erlebt. Es setzte ein starkes Signal der Wertschätzung – und machte deutlich, dass Erfahrung, Potenzial und Weiterentwicklung bei Helsana aktiv gefördert werden.

  7. Murielle: Welche Empfehlungen gibst du kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) für die berufliche Standortbestimmung?

    Aus unserem Pilot und weiteren Projekten zeigt sich klar: Intergenerationen-management ist ein strategischer Erfolgsfaktor, gerade für KMU. Drei Punkte sind dabei zu erwähnen:

    1. Wissen sichern: Wenn erfahrene Mitarbeitende länger engagiert bleiben, bleibt kritisches Know-how im Unternehmen – und wird gezielt an Jüngere weitergegeben.
    2. Motivation und Bindung stärken: Eine strukturierte Standortbestimmung in der späten Karrierephase erhöht Zufriedenheit, Leistungsbereitschaft und Loyalität – und wirkt Frühpensionierungen entgegen.
    3. Fachkräftemangel abfedern: Wer Potenziale 50+ aktiv nutzt, erweitert sein internes Arbeitskräftepotenzial nachhaltig.

    Entscheidend ist auch: es geht pragmatisch und ressourcenschonend. Mit einem klar strukturierten Prozess – kompaktem Reflexions-Workshop und vertiefenden Coaching-Sequenzen – entstehen konkrete Entwicklungsziele.

    Durch die Einbindung der Führungskräfte bleibt vor allem die Wirkung nicht individuell, sondern entfaltet organisationale Nachhaltigkeit. So wird die Standortbestimmung Teil der Führungspraxis – skalierbar, ressourcenschonend und im Unternehmen verankert. Das bewusste Zusammenspiel der Generationen entscheidet darüber, wie Wissen gesichert, Potenziale genutzt und Zusammenarbeit nachhaltig gestaltet wird.

  8. Beat: Seid ihr mit den Ergebnissen zufrieden? Welche nächsten Schritte sind geplant?

    Ja, wir sind sehr zufrieden. Bei der letztjährigen Durchführung hat die klare Mehrheit der Teilnehmenden zu den Coaching-Sessions ein hervorragendes Feedback gegeben. Zudem gaben sie an, im Arbeitsalltag einen positiven Effekt erzielen und konkrete Schritte umsetzen zu können. Der Erfüllungsgrad der Hauptanliegen hat sich im Schnitt um 40% erhöht und die Weiterempfehlungsrate des Programms ist ausserordentlich hoch.

    Aufgrund dieser positiven Erfahrungen führen wir das Programm in diesem Jahr wieder durch. Wir integrieren das Angebot zudem in unseren skillbasierten Entwicklungsprozess, dass ermöglicht den Teilnehmenden, Selbstreflexion, Erkenntnisse aus dem Coaching und ihr eigenes Skillprofil zu kombinieren. Dadurch können sie für sich noch spezifischere Massnahmen ableiten.

Wir danken Murielle Antille und Beat Hunziker für das interessante Gespräch.

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