Arbeitsmarkt - 07.12.2022

Erfolgsfaktoren der beruflichen Reintegration von über 5O-jährigen Arbeitslosen

Einmal arbeitslos benötigen über 5O-Jährige überdurchschnittlich viel Zeit, um eine neue Stelle zu finden.

Je länger eine Person von Arbeitslosigkeit betroffen ist und je häufiger sie auf ihre Bewerbungsbemühungen einen negativen Bescheid erhält, desto grösser wird die Frustration und desto kleiner die Motivation für weitere Bemühungen. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen, denn eine ausgeprägte Arbeitsmotivation gilt als entscheidender Erfolgsfaktor dafür, dass ältere Arbeitslose wieder eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt finden können. 

Bedeutung älterer Arbeitnehmer nimmt zu

Die Bedeutung der älteren Arbeitnehmenden für den Schweizer Arbeitsmarkt hat in den letzten Jahren laufend zugenommen. Beinahe jeder fünfte Erwerbstätige ist in der Schweiz 55-jährig oder älter. Seit Anfang der 90er-Jahre blieb die Arbeitslosenquote von über 50-Jährigen stets unterhalb derjenigen von jüngeren Erwerbstätigen. Die Arbeitsmarktsituation von älteren Erwerbstätigen hat sich somit im Vergleich mit den jüngeren nicht verschärft. Werden über 50-Jährige arbeitslos, ist ihr Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt allerdings steiniger als derjenige der Jüngeren: Die Dauer der Arbeitslosigkeit nimmt zu, entsprechend sind ältere Personen überdurchschnittlich von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit der Frage, welche Faktoren dazu beitragen, dass sich über 50-jährige Arbeitslose möglichst rasch und nachhaltig wieder in den Arbeitsmarkt integrieren können. Dabei werden zuerst Erfolgsfaktoren erläutert, die auf der individuellen Ebene bedeutsam sind. Anschliessend setzen wir uns mit der Frage auseinander, welche staatlichen Massnahmen sich als erfolgsversprechend erwiesen haben.

 

Schlüsselerkentnisse aus der Praxis

  • Durch ein professionelles Job-Coaching, das die vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen in den Fokus nimmt, können ältere Arbeitslose ihr negatives Selbstbild überwinden und stattdessen eine realistische und positive Wahrnehmung der eigenen Qualifikationen und der aktuellen Beschäftigungssituation entwickeln.
  • Für einen Bewerbungserfolg ist Flexibilität bezüglich Arbeitsort und Lohnvorstellungen bedeutsam. 
  • In einer sich rasant wandelnden Arbeitswelt haben zeitgemässe Fähigkeiten und Fertigkeiten einen hohen Stellenwert. Aktualisierung von fachlichem Wissen, von Arbeitsmethoden oder von Sprachkenntnissen haben sich als geeignete Massnahme erwiesen, um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. 
  • Ältere Arbeitnehmende sollten dafür sensibilisiert werden, dass lebenslanges Lernen möglich ist.
  • Die Art und Weise der Stellensuche bei über 50-Jährigen sehr spezifisch, was ein besonderes Beratungs-Know-how erforderlich macht. Hierfür eignet sich der Biographieansatz. 
     

Publikationsdatum

Mai 2019

 

Studientyp und Methodik

Systematische Analyse deutsch- und englischsprachiger Literatur 

Ansprechpartner:in für diese Studie

Prof. Dr. Peter Neuenschwander

Projektleiter und Dozent Berner Fachhochschule

Peter Neuenschwander ist anerkannter Fachexperte und Autor wissenschaftlicher Studien im Themenspektrum focus50plus.

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